Wermsdorf. Michaela und Gundolf Schmidt tun das, was zurzeit viele Menschen tun: Koffer packen. Allerdings bereitet das Lehrerehepaar aus Wermsdorf damit nicht seine jährliche Urlaubsreise, sondern einen zeitweiligen Umzug vor.
Für ein Jahr werden beide nach Bulgarien übersiedeln, dort leben und arbeiten. Von Beweggründen und Hoffnungen erzählt Gundolf Schmidt im OAZ-Interview.
Frage: Warum geht ein Lehrerehepaar ins Ausland?
Gundolf Schmidt: Es ist einer unserer Lebensträume, im Ausland zu arbeiten. Vor drei Jahren arbeiteten wir mit polnischen Schülern. Diese Aufgabe hat uns sehr gefallen. Außerdem soll der Blick in ein anderes Schulsystem unseren Horizont erweitern. Unsere Möglichkeiten haben wir im deutschen Schulsystem ausgereizt. Wir wollen eine Veränderung.
Wie sind Sie ausgerechnet auf Bulgarien gekommen?
Das Kultusministerium hat uns dieses Land vorgeschlagen, da eine gemeinsame Bewerbung hier möglich ist, dank unseres DDR-Diploms.
Gab es vorher andere Optionen?
Ja, vor einem Jahr hätten wir nach Tomsk in Sibirien gekonnt, aber die Familie, die jetzt dort ist, wird dort weiterarbeiten. Und wir wollten nicht noch einmal fünf Jahre warten.
Wie wird der Wechsel organisiert?
Jedes Bundesland kann so genannte Landesprogrammlehrer in das Ausland entsenden, vorrangig nach Mittel- und Osteuropa, aber auch Russland wäre möglich. Dafür muss man sich bewerben.
Können Sie anschließend ohne Weiteres hier in ihren Beruf zurückkehren?
Der Arbeitgeber in Sachsen bleibt der selbe, das hat schon Vorteile, auch die Stammschulen bleiben.
Wie steht es mit Ihren Sprachkenntnissen?
Noch können wir kein Bulgarisch, aber das wird sich sicherlich ändern, wir fangen im September mit einem Intensivkurs Bulgarisch an. Unterrichtssprache ist aber Deutsch.
Wo werden Sie in Bulgarien leben und arbeiten?
Leben werden wir in der 200 000 Einwohner zählenden Großstadt Burgas an der Schwarzmeerküste. Wir haben eine Dreizimmerwohnung in Aussicht, die wir dort einrichten werden. Arbeiten werden wir in einer Schule mit normalen Unterrichtsbedingungen. Computer und andere Technik sind vorhanden.
Welche Fächer werden Sie dort unterrichten, und welche Altersgruppe von Schülern?
Wir werden beide als Deutsch-Lehrer in den Klassen 9 bis 12 eingesetzt. Unsere Aufgabe ist es, die Schüler zum deutschen Sprachdiplom zu führen und dieses auch abzunehmen.
Was wissen Sie vom Arbeitsalltag in Bulgarien?
Der Arbeitsalltag ist geprägt von Freude am Beruf und von einem hohen Zielbewusstsein.
Worauf freuen Sie sich am meisten, und wovor ist Ihnen vielleicht etwas bange?
Am meisten freuen wir uns auf das neue Land und seine Bewohner, samt Schüler, bange ist mir bei der Tatsache, dass ich als Deutsch-Lehrer eine sehr große Verantwortung habe.
Wie haben Familie und Freude reagiert, als sie von ihrem Plan erfahren haben, für ein Jahr ins Ausland zu gehen?
Unsere Familie wusste von unserem Auslandswunsch. Unsere Tochter Anne hat mit uns schon im Ausland gearbeitet. Und unsere Freunde haben uns durchweg gratuliert zu dem Mut. Nur die Eltern sind traurig. |