Insgesamt galt: diejenigen Autoren, die veröffentlicht werden wollten, hatten sich dem Diktat der BKP zu beugen, das über den Schriftstellerverband administrativ durchgesetzt wurde. Zwar kam es in den 70er Jahren allmählich zu einer Auflockerung der starren sozialistischen Kunst-Doktrin, die erneut persönlich-individuellen Themen in den literarischen Werken zuließ, doch konnten hochtalentierte Dichter wie Nikolaj Kantschev und Konstantin Pavlov nach erfolgreichen Debüts in den frühen 60ern bis zur Wende nicht mehr publizieren. Sie wurden - leider auch von vielen nichtbulgarischen Literaturwissenschaftlern - erst nach 1989 neu entdeckt. Andere talentierte und zunächst kritische Dichter wie Georgi Dschagarov und Ljubomir Levtschev wurden vom Regime durch einflussreiche Posten auf Linie gebracht, konnten danach allerdings auch keine gültigen Werke mehr hervorbringen.
Aber selbst im westlichen Ausland wurden in der sozialistischen Periode fast nur Werke der kanonisierten bulgarischen Schriftsteller wahrgenommen, denn es gab in Bulgarien keinen nennenswerten "Samizdat" (illegal weitergegebene Literatur regimekritischer Autoren) und im Ausland keinen echten Resonanzboden für kritische bulgarische Werke, ganz im Gegensatz zu russischsprachiger "Dissidenten-Literatur".




