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Überblick über die bulgarische LiteraturDie bulgarische Literatur kann auf eine lange und wechselhafte Geschichte zurück schauen. Die Europäisierung der bulgarischen Literatur war vollendet, ihre Hinwendung (nicht ihre Unterwerfung) und das Gleichziehen mit russischen und westeuropäischen Spitzenleistungen prägten die ersten drei Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts. Bulgarische Autoren v.a. in der Lyrik, aber auch in Prosa und Dramatik, leisteten mit eigenen Motiven, Stoffen und Stilbesonderheiten einen originellen Beitrag zur europäischen Literatur. Direkte Kontakte zum Ausland nahmen weiter zu, Ausdrucksformen vergangener europäischer Epochen, die durch die Türkenherrschaft in Bulgarien versäumt worden waren, wurden entdeckt und zitathaft in bulgarischen Werken nachvollzogen.
Autoren wie Pentscho Slavejkov, Pejo Javorov und Atanas Daltschev hätten sicherlich ihren verdienten Platz in der Weltliteratur gefunden, wären ihre v.a. lyrischen Werke in deutscher, russischer oder englischer Sprache entstanden. So musste die Vermittlung über naturgemäß unzureichende Übersetzungen erfolgen, die das Erkennen der großen Leistung ihrer Schöpfungen erschwert oder gar unmöglich macht.
  In den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts setzte sich neben den beiden Traditionslinien des ruralen Realismus und des Symbolismus eine sozialistisch orientierte Literatur durch, die sich eng an sowjetische Tendenzen anlehnte. Nach der Machtergreifung der sozialistischen "Volksfront" 1944 waren zunächst noch alle Tendenzen in der Literatur wie im öffentlichen Leben zugelassen, doch erfolgte unter der Alleinherrschaft der KP des Landes ab 1948 die "Verstaatlichung" der Literatur mit stalinistischen Mitteln. Bis 1989 war die offizielle Literaturpolitik mit dem Dogma des geradezu schwachsinnigen "Sozialistischen Realismus" maßgeblich für die literarische Produktion, wobei man sich stark an der Entwicklung in der UdSSR mit analogen Tauwetter-Perioden und Vereisungen orientierte. Literarhistorisch gesehen waren die Preisgabe des so mühsam erlangten Gleichstandes mit der europäischen Literaturentwicklung und der fehlende Austausch mit nichtsozialistischen Literaturen die schwerstwiegenden Folgen der sozialistischen Periode. Hart betroffen von diesen Restriktionen waren v.a. die talentierten zeitgenössischen Autoren, die nach wie vor den Referenzrahmen von Tradition und Gegenwart der gesamteuropäischen Literatur vor Augen hatten, jedoch sozialistisch-realistisch schreiben mussten, wollten sie überhaupt verlegt werden. Im Ausloten der kulturpolitisch zugelassenen Abweichungen vom staatlichen Dogma entstanden jedoch auch hervorragende Werke in allen Gattungen: in der Prosa durch Autoren wie Dimiter Dimov, Emiljan Stanev, Jordan Raditschkov, Ivajlo Petrov, Blaga Dimitrova; in der Lyrik durch Atanas Daltschev, Alexander Gerov, Valeri Petrov, Nevena Stefanova, Radoj Ralin u.a., im Drama durch Valeri Petrov, Ivan Radoev, Konstantin Iliev und Stefan Zanev.  [ 1 ] [ 2 ] [ 3 ] [ 4 ] [ 5 ] |
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