Erst durch die 1762 handschriftlich verbreitete "Istorija Slavjanobolgarskaja" (Slawisch-bulgarische Geschichte) des bulgarischen Athos-Mönchs Paisij vom Kloster Chilendar bekamen die bulgarische Kultur und ihr Schrifttum einen neuen, mächtigen Impuls, der in den Bulgaren das Gefühl für die eigene Sprache, Vergangenheit und nationale Würde wieder erweckte. Die "Wiedergeburt" der bulgarischen Nationalkultur hatte begonnen, in zeitlicher Parallele zur Aufklärung in Westeuropa.
Bis 1878, der Befreiung Bulgariens von der Osmanenherrschaft, wurde in der Nachfolge Paisijs eine neubulgarische Literatursprache entwickelt, mit deren Hilfe in Schulbüchern, einfachen Prosawerken und auf der Bühne das Wissen über die Größe der bulgarischen Geschichte und damit Selbstvertrauen für die Gegenwart vermittelt wurde. Bulgarische Gelehrte und Schriftsteller, die zumeist der Tradition der griechisch geprägten christlichen Orthodoxie entstammten, sahen es nun als ihre Pflicht an, die geistig-moralisch-patriotische Erbauung des bulgarischen Volkes zu betreiben. Der Dienst an Volk und Nation stand fast das gesamte 19. Jahrhundert im Zentrum der kulturellen und literarischen Tätigkeit der Wiedergeburts-Epoche.
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