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Sibylle LewitscharoffSibylle Lewitscharoff beschreibt Bulgarien.Roman
Suhrkamp 2009
Das Buch ist eine Mischung aus Aufarbeitung der Beziehungen der Generationen und einer Begegnung eines europäischen Landes. In bissiger aber lesenswerter Art und Weise schildert sie die Lebensgeschichte ihrer Familie, die nach 1945 nach Deutschland gekommen ist.
Der Transport der Leichen nach Sofia ist schon eine merkwürdige Aktion, aber verständlich wenn man ein wenig die bulgarische Seele kennen lernt.
Auf einer touristischen Fahrt durch das Land ihres Vaters finden sie nur die Realität und selten Traumhaftes. Leider hat sie in ihrer Beschreibung des Landes Bulgarien Recht, es ist so wie es dargestellt wird.
Ich habe es selber so erlebt. Schade, aber es ist so.


Seite 38
„Heute ist der Ausflug zur Zarenburg an der Reihe. Wir gehen hügelabwärts und werden auf die berühmten Wiedergeburtshäuser aufmerksam gemacht. … das Beste , was den Bulgaren je widerfahren ist. Der aufgedonnerte Namen beweist, dass wir es mit einem operettenhaften Land zu tun haben.“






Seite 61
„Wald, Hügel, zauberhafte Lichtungen. Das Frauenkloster empfängt mit einem weinüberwachsenen Hof. Alles ringsum blüht und gedeiht- in Töpfen, in Blechnäpfen, in schnurgeraden Furchen, an terassierten Kleinhängen und hölzernen Stützen, wohin das Auge schweift, grünt und knospt und flammt es.“






Seite 117
„ Die üblichen verwahrlosten Kästen mit schiefgerosteten Balkonen, langen Pilz- und Rostnasen, mit Röhren, die als krumme Haken von den Wänden wegragen. Wir sind allein auf einem Parkplatz, groß wie ein Olympiafeld. Roh, brutal, monströs- ja das passt, aber es passt auf die meisten Denkmale der letzten hundert Jahre. Bestimmt wäre es das Beste, in die Tombul-Moschee zu gehen, wahrscheinlich das einzige Bauwerk, das in Schumen eine Besichtigung lohnt“






Seite 160
„Varna sieht besser aus als Schumen, das zeigt sich schon beim Hineinfahren. Immerhin den Hauptboulvard säumen Palmen. Aber für eine Stadt , die am Wasser liegt , eine sehr alte Stadt sogar, ist sie bitter enttäuschend. Nicht einmal ein schwacher Abglanz der berühmten französischen und italienischen Meerstädte.“






Seite 182
„ Wir wundern am Strand entlang in der Hoffnung auf ein Lokal mit Terrasse, von der aus man auf s Meer schauen kann. Noch nie habe ich einen so hässlichen Strand gesehen. Überall Drecksbuden mit dröhnender Musik, die Art von Musik, mit der man einen Bürgerkrieg anfängt.“






Seite 201
„Nessebar. Das berühmte Fischerdorf, in dem ich damals mit Lilo und ihrer Tochter gewesen sein soll. Ich kann nichts wieder erkennen, nicht einmal die Mühle am Eingang der Halbinsel. Überall Gaststätten mit Terassen und Balkonen , rote Decken auf den tischen, Zierkrüge. Eigentlich ein wunderbarer Ort, um sich niederzulassen, die Aussicht beruhigt.“






Seite 220
„ Die moderne Stadt im Tal ist hässlich. Der übliche zerfressene Plunder. Aber dann geht es steil hinauf, und siehe da, eine völlig andere Stadt kommt in Sicht. Hoftore von imponierender Stattlichkeit, kräftig beschlagen, solide Unterbauten aus Natursteinen, und darüber sich herauswölbend die hölzernen Stockwerke. Eine ehrwürdige Schönheit reiht sich an die andere.“






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